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Standard und Geschichte

FCI - Standard Nr. 118

URSPRUNG: Deutschland.

DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN OFFIZIELLEN STANDARDS: 05.03.2014.

Download FCI - Standard Nr. 118 - Großer Münsterländer

VERWENDUNG:

Entsprechend seiner jagdlichen Zweckbestimmung als vielseitig einsetzbarer Jagdhund muss der „Große Münsterländer“ alle von ihm geforderten Anlagen besitzen und für alle Arbeiten im Feld, im Wald und im Wasser leistungsbezogen „vor“ und „nach“ dem Schuss brauchbar sein.

KLASSIFIKATION FCI:

  • Gruppe 7 Vorstehhunde
  • Sektion 1.2 Kontinentale Vorstehhunde
  • Typ « Spaniel »
  • Mit Arbeitsprüfung
     

KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS:
Die geschichtliche Entwicklung des Großen Münsterländers geht zurück auf den weißbunten Vogel- und Beizhund des Mittelalters über den Stöber- und Wachtelhund auf den Vorstehhund des 19. Jahrhunderts. Der Große Münsterländer zählt ebenso wie der Kleine Münsterländer und der Deutsch-Langhaar zur Familie der langhaarigen deutschen Vorstehhunde, deren planmäßige Zucht gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann. Nachdem der « Deutsch-Langhaar-Verein » 1909 die schwarze Farbe endgültig von der Zucht ausschloß, nahm sich der 1919 gegründete « Verein für die Reinzucht des langhaarigen schwarz-weißen Münsterländer Vorstehhundes » der Zucht der schwarz-weißen Langhaar an. Nach Erfassung der vor allem im westlichen Münsterland und in Niedersachsen noch vorhandenen Reste dieses bodenständigen Langhaarstammes in einer Urliste begann der Verein 1922 mit der planmäßigen Zucht des Großen Münsterländers. Die Urliste umfasst 83 Hunde. Nachkommen aus Paarungen zwischen den in der Urliste erfassten Großen Münsterländer wurden in das Zuchtbuch Große Münsterländer eingetragen. 


ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD: 

  • Kräftiger, muskulöser Körperbau, dabei schnittiges Gesamtbild.
  •  Ausdruck von Intelligenz und Adel.
  • Trockene Außenlinie.
     

WICHTIGE PROPORTIONEN: 

  • Körperlänge und Widerristhöhe sollen möglichst gleich sein.
  • Die Körperlänge kann die Widerristhöhe um 2 cm überschreiten.
     

VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN): 

  • Die wichtigsten Eigenschaften sind Führigkeit, Gelehrigkeit und zuverlässige Verwendbarkeit für die Jagd, insbesondere nach dem Schuss.
  • Wesen lebhaft, ohne Nervosität.
     

KOPF:

  • Edel und langgestreckt, mit klugem Aussehen; ausgeprägte Kinnmuskulatur.
     

OBERKOPF:

  • Stopp: Gering.
     

GESICHTSSCHÄDEL:

  • Nasenschwamm: Ausgeprägt schwarz.
  • Fang: Kräftig, lang und für den Gebrauch gut ausgebildet. Nasenrücken gerade.
  • Lefzen: Nicht überhängend.
  • Kiefer / Zähne : Gebiss kräftig und vollständig (42 Zähne) mit ausgeprägten Fangzähnen; einwandfreies Scherengebiss.
  • Augen : Je dunkler umso besser. Lider dem Augapfel gut anliegend, fester Lidschluss.
  • Ohren: Breit, ziemlich hoch angesetzt, mit abgerundeter Spitze, gut anliegend. 
  •  HALS: Kräftig, gut bemuskelt, edel geschwungen.
     

KÖRPER:

  • Widerrist: Mittelhoch, lang, gut bemuskelt.
  • Rücken: Kurz, fest, gerade.
  • Lenden: Ausgeprägt, durch straffe Muskulatur geschützt.
  • Kruppe: Lang, breit, nur leicht abfallend, gut bemuskelt.
  • Brust: Von vorne gesehen breit, von der Seite gesehen tief mit deutlicher Vorbrust.
  • Untere Profillinie und Bauch: Leicht aufgezogen, straff, schlank. Flanken kurz und hoch angesetzt.
     
  • RUTE: Waagerecht oder leicht aufwärts getragen. Von der Seite gesehen ohne Knick aus der Rückenlinie hervorgehend.
     

GLIEDMASSEN

VORDERHAND:

  • Allgemeines: Korrekte Winkelungen.
  • Schulter: Schulterblatt fest an den Rippen anliegend.
  • Oberarm: Gerade, stark und gut bemuskelt.
  • Vorderfubwurzelgelenk: Elastisch.
  • Vorderpfoten: Von mäßiger Länge und Rundung, mit eng aneinanderliegenden Zehen; keine Wolfskrallen.
     

HINTERHAND:

  • Allgemeines: Kräftige und straffe Bemuskelung; Läufe senkrecht gestellt.
  • Knie: Korrekte Winkelung.
  • Sprunggelenk: Korrekte Winkelung.
  • Hinterpfoten : Wie Vorderpfoten. Keine Wolfskrallen.
     

GANGWERK:
Schritt und Trab federnd, raumgreifend, mit weitem Vorgriff; Galopp elastisch, schwungvoll, mit dem nötigen Schub aus der Hinterhand; weiter Sprung.

HAUT: Straff.

HAARKLEID

  • Haar: Lang und dicht, jedoch schlicht, nicht lockig oder abstehend, da dies der jagdlichen Verwendung hinderlich ist. Typisches Langhaar. Das Haar muss sowohl beim Rüden als auch bei der Hündin an der Rückseite der Vorder- und Hinterläufe besonders lang und dicht sein (gut befedert). Auch an der Rute soll das Haar besonders lang sein. Die stärkste Befahnung der Rute soll etwa in der Mitte ihrer Länge sein. Das Haar an den Ohren soll lang sein (gute Fransenbildung) und den Unterrand des Ohres seitengleich deutlich überragen (keine Lederbehänge). Im Übrigen ist das Haar des Kopfes kurz und anliegend.
  • Farbe: Die drei Farbvarietäten sind: Weiß mit schwarzen Platten und Tupfen, schwarz geschimmelt oder rein schwarz. Kopf schwarz, evtl. mit weißer Schnippe oder Blesse.
     

GRÖSSE UND GEWICHT:

Widerristhöhe (Stockmass): 

  • Rüden : 60 - 65 cm. (Toleranzgrenze um 2 cm nach oben)
  • Hündinnen: 58 - 63 cm. (Toleranzgrenze um 2 cm nach oben)
  • Gewicht: Um 30 kg.
     

FEHLER:
Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte und dessen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Hundes und seine Fähigkeit, die verlangte rassetypische Arbeit zu erbringen, zu beachten ist.

  • Zu breiter Oberkopf, zu starker Stirnabsatz zu kurzer Fang.
  • Ramsnase, Hechtnase, fehlendes Pigment, vollständig oder nur in Tupfen.
  • Lose oder überhängende Lefzen.
  • Leichte Gebiß- und Zahnfehler: Zangengebiß, doppelte P1, Fehlen von eins bis zwei P1, bzw.M3 (max.2 Zähne).
  • Zu helles Auge, sichtbare rote Nickhaut, nicht enganliegendes Lid.
  • Ohr tief angesetzt, abstehend, zu kurze Ohren, offen getragene Ohren.
  • Hals zu kurz, zu lang, zu dick, zu dünn. Kehlwamme.
  • Widerrist zu niedrig, zu kurz.
  • Rücken zu lang, Senkrücken, Karpfenrücken.
  • Lenden schwach bemuskelt, Übergang zur Kruppe unharmonisch, überbaut.
  • Kruppe kurz, schmal, stark abfallend.
  • Brust tonnenförmig, engbrüstig, nicht tief genug; fehlende Vorbrust.
  • Bauch zu stark aufgezogen, zu tief angesetzt.
  • Rute seitwärts getragen, nach oben aufgerollt; Knickrute; Ringelrute.
  • Vorderläufe: Zu steile Winkelung; abstehende oder abgedrehte Ellenbogen; zu weiche Fubwurzelgelenke; bodenenge oder bodenweite Stellung.
  • Hinterläufe: Zu steile Winkelung; kuhhessige oder fabbeinige sowie bodenenge oder bodenweite Stellung.
  • Runde Katzenpfoten, lange Hasenpfoten, Spreizpfoten, zehenenge oder zehenweite Stellung.
  • Schritt und Trab kurz, steif oder trippelnd. Galopp: Sprung kurz, steif, zu wenig Schub.


DISQUALIFIZIERENDE FEHLER:

  • Aggressiv oder übermässig ängstliche Hunde
  • Hunde, die deutlich physische Abnormalitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen, müsse disqualifiziert werden.
  • Weißer Nasenschwamm.
  • Entropium, Ektropium.
  • Vorbiss, Rückbiss, Kreuzbiss; Fehlen von Schneidezähnen oder Fangzähnen, fehlende Molaren und Prämolaren (außer bis 2 P1 oder 1 M3).
  • Farben, die dem Rassestandard nicht entsprechen.
  • Hunde mit Über-oder Untermaß.
  • Schussscheue, Schussempfindlichkeit jeden Grades, Scheue an lebendem Wild, Angstbeißer, Ängstlichkeit vor fremden Personen.

N.B.:

  • Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.
  • Zur Zucht sollen ausschließlich funktional und klinisch gesunde, rassetypische Hunde verwendet werden.
     

GESCHICHTE DER GROSSEN MÜNSTERLÄNDER

Im Mittelalter war über ganz Europa eine Gruppe von Hunde-„Rassen“ verbreitet („Rasse“ steht hier in Anführungszeichen, weil es sich genau genommen natürlich noch nicht um eine solche handelte; von einer Rasse kann man erst dann sprechen, wenn Vertreter eines bestimmten Hundetyps stets und ausschließlich untereinander verpaart werden, und das geschah damals in der Regel nicht), die man einst unter dem Namen „Vogel“- oder „Habichthunde“ zusammenfasste. Als Ahnen unserer langhaarigen Vorstehhunde könnten unter anderem diese weißbunten „Vogel- und Beizhunde“ gelten, die schon seit Jahrhunderten bekannt sind und auf historischen Abbildungen dargestellt wurden. Es waren vor allem relativ kleine, befederte Stöberhunde vom Epagneul- oder Wachteltyp, die dazu dienten, für den Beizvogel das Wild in geeignetes Gelände zu treiben. Vogelhunde wurden außerdem dazu verwendet, gefundenes Wild durch Vorstehen anzuzeigen.

Dem „Jagdbuch für Jäger“ (1811) ist zu entnehmen, dass Größe, Körperbau, Haarkleid und Farbe der „Vogelhunde“ variierten. Man darf annehmen, dass es eine Reinzucht nach getrennten Rassen damals nicht gab – die Gebrauchseigenschaften standen im Vordergrund, verbindliche Rassestandards existierten zu dieser Zeit noch nicht. Dies änderte sich gegen Ende des letzten Jahrhunderts: Auf der 1879 in Hannover stattgefundenen Hundeausstellung wurden erstmals Rassemerkmale festgelegt – neben dem Deutsch Kurzhaar wurde der Deutsch Langhaar beschrieben, und die systematische Reinzucht konnte beginnen.

Neben dem braunen (einfarbig braun, braunschimmel oder weiß mit braunen Platten) langhaarigen deutschen Vorstehhunden gab es auch eine farbliche Variation „schwarz-weiß“. Doch die Deutsch Langhaar-Anhänger waren von Anfang an nicht glücklich über die schwarz-weißen Exemplare, sah man in ihnen doch den Beweis für die Einkreuzung von Settern und Neufundländern – ein Streitpunkt, der teilweise auch heute noch diskutiert wird. Mitte des 19. Jahrhunderts habe es bei allen deutschen Vorstehhunden Einkreuzungen englischer Vorstehhunde gegeben: Pointer beim Deutsch Kurzhaar und schwarz-weiße Englische Setter beim Deutsch Langhaar.

Anfangs wurde auch die schwarz-weiße Variante im Zuchtbuch des Deutsch Langhaar geführt, jedoch 1908 aus dem Standard gestrichen. Nach Erfassung der vor allem im westlichen Münsterland und in Niedersachsen noch vorhandenen Reste dieses bodenständigen Langhaarstammes in einer Urliste, begann die planmäßige Zucht des Großen Münsterländers. Die Urliste umfasste 83 Hunde. Schließlich wurde sie 1922 von dem 1919 in Haltern, Nordrhein-Westfalen im Münsterland, gegründeten „Verein für die Reinzucht des langhaarigen großen schwarz-weißen Münsterländer Vorstehhundes“ züchterisch übernommen und von der Delegierten-Kommission als eigenständige Rasse anerkannt. Die Jäger schätzten dort ganz besonders die Dornenfestigkeit und die zuverlässige Verlorenbringerarbeit der „Schwarz-Weißen“.